Jahresbericht 2021
 AGV Nordostchemie und VCI Nordost 

Sehr geehrte Damen und Herren,

fassungslos und mit großer Bestürzung verfolgen wir in den Nordostchemie-Verbänden den Krieg in der Ukraine. Unsere Gedanken sind bei den Menschen vor Ort.  Der Krieg stellt den permanenten Ausnahmezustand der letzten knapp zweieinhalb Jahre völlig in den Schatten. Es sind jetzt durchdachte und vor allem auch nachhaltige Entscheidungen gefragt, um das Leid der Menschen in der Ukraine zu beenden und gleichzeitig die Handlungsfähigkeit (Ost-)Deutschlands – und diese hängt auch maßgeblich von der Handlungsfähigkeit der Industrie und Wirtschaft ab – zu erhalten.


Was hat das Jahr 2021 geprägt? Bilder der Verwüstung in den überfluteten Gebieten im Sommer, Eindrücke des zweiten von der Coronapandemie bestimmten Jahres, Bundestagswahl und mehrere Landtagswahlen im Verbandsgebiet. Unsere Schwerpunktthemen wie Energie- und Klimapolitik, Tarifpolitik, Fachkräfte und Transformation haben gerade auch vor dem Hintergrund der Pandemie nochmal eine ganz eigene Dynamik entwickelt und sind nach wie vor hochaktuell.


Zunächst stand das Jahr in allen Bereichen im Zeichen der Corona-Pandemie und deren allumfassenden Auswirkungen. Die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland konnten mit ihrem unermüdlichen Einsatz und Forschergeist sowie der Unterstützung der Nordostchemie-Verbände maßgeblich zur Eindämmung und Bekämpfung der Pandemie beitragen. Zu Jahresbeginn unterstützten wir gemeinsam mit unseren Unternehmen beim Aufbau und Betrieb der Impfzentren. Zahlreiche Beschäftigte unserer Mitglieder brachten ihre Expertise bei der Aufbereitung und Verabreichung der Impfstoffe ein. Die Betriebe stellten sie dafür unentgeltlich zur Verfügung und beschafften in vielen Fällen das benötigte Material – vom Tupfer bis zur Spritze. In einem nächsten Schritt konzipierten wir einen Aktionsplan zum "Impfen durch Betriebsärzte" und setzten diesen gemeinsam mit Politik und Wirtschaft effizient und in Rekordzeit in die Praxis um.


Auf der anderen Seite galt es, die sich ständig ändernden (regulatorischen) Rahmenbedingungen zu analysieren und die Betriebe bei der Implementierung in den Unternehmensalltag zu unterstützen. Die besondere Herausforderung war, dass sich die Regelungen in unseren sechs Bundesländern teils erheblich unterschieden. Neben der obligatorischen Beratung durch unsere Experten im Bereich Arbeits- und Tarifrecht wurde in neuen Formaten – vom Ad hoc Nachrichtendienst bis hin zum Expertentalk – über aktuelle Entwicklungen informiert und Handlungsempfehlungen ausgesprochen. So schafften es die Unternehmen, bestmöglich auf die neuen Anforderungen zu reagieren und den Betrieb weitestgehend störungsfrei aufrechtzuerhalten.


Ab Herbst sah sich die Industrie  zusätzlich mit der Herausforderung von massiv gestiegenen Rohstoffkosten – allen voran beim Erdgas – konfrontiert. Das Problem wurde für unsere energieintensiven Unternehmen, die vor allem in Mitteldeutschland angesiedelt sind, zur Existenzfrage. Durch gezielte Ansprache von Politik und Medien konnten wir die Thematik von unserem Verbandsgebiet Ostdeutschland auf Bundesebene heben. So gelang es, nachhaltig eine Debatte über die Gefahren der schwindenden Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche und den drohenden Folgen für die gesamte Volkswirtschaft anzustoßen.
Es scheint mittlerweile, dass sich Krisen und Topthemen überlagern. Sieht so das New Normal aus? Eine kurzfristige Entspannung der Lage ist leider nicht zu erwarten. Es ist daher umso wichtiger, dass Verbände und ihre Mitglieder eng zusammenarbeiten und geschlossen auftreten. Wir haben gemeinsam gezeigt, dass wir Krisen proaktiv meistern können und gleichzeitig unsere mittel- und langfristigen Ziele nicht aus den Augen verlieren.


Ausdrücklich bedanken wir uns bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr Engagement, den Mitgliedern unserer Gremien für die konstruktive Zusammenarbeit. Wir werden weiterhin alles daransetzen, dem darin zum Ausdruck gebrachten Vertrauen gerecht zu werden. Wir hoffen und wir freuen uns auf Ihre Unterstützung.
 

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DR. CHRISTIAN

MATSCHKE
Vorstandsvorsitzender
VCI e.V.,
Landesverband Nordost

NORA

SCHMIDT-KESSELER
Hauptgeschäfstführerin
Nordostchemie-Verbände

JÜRGEN
FUCHS

Vorstandsvorsitzender
Arbeitgeberverband
Nordostchemie e.V.

 

 Highlights 2021 

 Stimme der Ostchemie 

 

Themen setzen, mitreden, sensibilisieren

Die Strategie in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Nordostchemie-Verbände fußt auf einer zielgruppengerechten Ansprache. Das beizieht sich sowohl auf die Art des Kommunikationskanals als auch auf die Tonalität – von der klassischen Pressemeldung über die Platzierung in Fach- und Tagesmedien bis hin zu Erklär-Formaten. Wir nutzen unterschiedlichste Kanäle, die sich nach Art der Kommunikation und Frequenz unterscheiden. Vor allem die Stärkung der digitalen Kommunikation als wichtiger Baustein unserer Verbandsstrategie konnte im vergangenen Jahr Erfolge verbuchen. Die Sichtbarkeit der Verbände, Mitgliedsunternehmen und der gesamten Ostchemie in Politik und Öffentlichkeit konnte nochmals gesteigert werden.

Vor allem die Themen rund um die Corona-Krise und im späteren Jahresverlauf die steigenden Energie- und Rohstoffkosten haben weite Teile der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2021 geprägt. Aufgrund der hohen Relevanz bei beiden Themen und dem belastbaren Netzwerk in regionalen und überregionalen Medien sowie Fachpublikationen waren wir gefragte Gesprächspartner. In zahlreichen Anfragen und Interviews (u.a. dpa, Handelsblatt, Mitteldeutsche Zeitung, MDR und Berliner Morgenpost) informierten wir über die Situation unserer Branche und die aktuellen Herausforderungen.

So gelang es, unsere Positionen, Botschaften und Handlungsempfehlungen mit großer Reichweite zu platzieren. Als Verbände sind wir darüber hinaus eine wichtige Anlaufstelle für Journalisten, die auf der Suche nach Chemie- und Pharmaunternehmen für ihre Berichterstattung sind. Neben der Vermittlung von Kontakten und somit der Platzierung in Medien, unterstützten wir die Unternehmen bei Bedarf bei der Beantwortung von Anfragen und Interviews.

Digitale Kommunikation gestärkt

Gleiches galt für die Kommunikation über unsere digitalen Kommunikationskanäle. Vor allem die Social-Media-Kanäle der Verbände gewannen in den Kommunikationsaktivitäten 2021 weiter an Bedeutung.

 

Bereits etablierte Kanäle wurden weiter ausgebaut (Reichweite und Qualität) sowie noch "junge" Kanäle weiterentwickelt. Hervorzuheben sind unsere Kanäle bei LinkedIn (mittlerweile reichweitenstärkster Kanal) und Instagram (wichtigster Kanal für das Azubimarketing). Beim Thema "Impfen durch Betriebsärzte" haben wir erstmals einen eigenen Podcast aufgenommen. Als eine Art Anleitung zum Aufbau einer Impfstraße war er auch über unsere Branche hinaus bei Unternehmen, aber auch vonseiten der Politik gefragt.

 

Die positive Entwicklung zeigt, dass wir mit der Diversifizierung unserer Kanäle und zielgenauen Botschaften die richtige Strategie gewählt haben.

Nicht zuletzt ist der Relaunch unserer Internetseite inklusive Neugestaltung der Mitgliederbereiche zu erwähnen, der unseren Auftritt sowohl optisch als auch von der Benutzerfreundlichkeit auf ein neues Level gehoben hat. Parallel dazu wird der Gesamtauftritt der Verbände auf allen Kanälen und Ebenen fortlaufend weiterentwickelt und harmonisiert.

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AGV

VCI

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Im Dialog mit der Politik

Der Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik musste auch im zweiten Coronajahr fast ausschließlich im digitalen Raum stattfinden. Den Auftakt bildete ein Gespräch zwischen dem damaligen Ostbeauftragten Marco Wanderwitz und unserer Hauptgeschäftsführerin Nora Schmidt-Kesseler sowie unseren Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fuchs (AGV) und Dr. Christian Matschke (VCI Nordost).

 

Beim Austausch mit der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Brandenburger Landtag sprachen wir über den Strukturwandel, die Energieversorgung und den Einsatz von Wasserstoff in der Chemie.

Austausch mit dem Ostbeauftraugten der Bundesregierung

Im Rahmen eines virtuellen Arbeitstreffens mit der CDU-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt diskutierten wir gemeinsam mit  unseren Mitgliedern über die Herausforderungen unserer Branche in Sachsen-Anhalt.

 

Im Bereich Pharma ist das digitale "Gesundheits-Frühstück Mitteldeutschland" des BPI Nordost zu erwähnen, bei dem wir mit dem Bundestagsabgeordneten Alexander Krauß (CDU) zu Themen wie Standortbedingungen und der Preisregulierung bei Arzneimitteln sprachen.

 

Zudem setzten wir uns in zahlreichen politischen Runden für die Einbindung werksärztlicher Strukturen in die Impfkampagne ein und legten ein Konzept vor, das als Blaupause für die praktische Umsetzung in den Unternehmen genutzt werden konnte.

Wahlen und Fachthemen im Blick

Mit der Bundestagswahl sowie den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin war 2021 ein Superwahljahr für unser Verbandsgebiet. Um Wahlen adäquat zu begleiten, haben wir bereits im Vorfeld der Wahl Gespräche mit aussichtsreichen Bundestagskandidaten geführt. Hierfür haben wir die Landeslisten analysiert und aussichtsreiche Kandidaten identifiziert, um mit diesen direkt zu unseren Themen ins Gespräch zu kommen. So fand im August ein konstruktiver und offener Austausch mit der CDU-Kandidatin Jessica Heller aus Leipzig sowie mit dem SPD-Kandidaten Stephan Schumann für Dresden statt.

 

Auch mit zwei Kandidaten der Grünen haben wir einen offenen Austausch zu notwendigen Rahmenbedingungen zum Erhalt des Chemie- und Pharmastandortes Ostdeutschland führen können. Am 26. August mit Dr. Paula Piechotta aus Leipzig und am 7. September mit Dr. Jakob Schweizer, der für den Wahlkreis Anhalt angetreten ist. Zudem ist es uns gelungen, Gespräche mit Abgeordneten bei Unternehmen vor Ort zu organisieren. So war z.B. Philip Hartewig, der nun auch für die FDP im Bundestag sitzt, zu Besuch bei der Firma Meffert im Werk in Ostrau.

Um die für uns wichtigen Themen bestmöglich und frühzeitig zu setzen, haben wir die Wahlen auf Bundes- und Landesebene von Anfang bis Ende begleitet. Neben den zahlreichen Gesprächen mit aussichtsreichen Kandidaten haben wir die Sondierungen und Koalitionsverhandlungen eng begleitet und nach den Wahlen jeweils Analysen sowie eine Bewertung der Koalitionsverträge bereitgestellt. Zudem wurde der Kontakt zu neuen Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen sowie weiteren Ministerinnen und Ministern im Verbandsgebiet aufgenommen bzw. vertieft. Um die neu gewählten Abgeordneten direkt anzusprechen, haben wir auf Bundes- und Landesebene ein "Starterpaket" vorbereitet. In diesem haben wir unsere Branche, Themen und unseren Verband kurz vorgestellt. Hieraus haben sich Gespräche und Anknüpfungspunkte für den weiteren Dialog ergeben.


In der ersten Jahreshälfte hat die Corona-Krise auch die Facharbeit dominiert. Wir haben der Politik gemeinsam mit unseren Mitgliedern in den Bereichen Impfen und Testen beratend und tatkräftig zur Seite gestanden. Zu erwähnen ist eine Informationsveranstaltung zum Thema "Impfen durch Betriebsärzte", bei der wir gemeinsam mit UVB und BDA über 100 Teilnehmende informierten und berieten. Zudem haben wir uns für Rahmenbedingungen eingesetzt, die den Unternehmen bei der Krisenbewältigung helfen und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standortes erhalten.


Thematisch haben uns in der zweiten Jahreshälfte neben Corona vor allem die drohenden Folgen der Chemikalienstrategie, die Auswirkungen der stark gestiegenen Energiepreise und der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft beschäftigt. Diese Themen haben wir in zahlreichen Gesprächen mit Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie Vertretern von Ministerien und Landesvertretungen diskutiert. Mit Blick auf die Energiepreisthematik haben wir uns an einer Anhörung im Umweltausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt zum Thema beteiligt. Im Bereich Pharma setzten wir uns zudem für wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Europa, Deutschland und Ostdeutschland ein. Hierfür beteiligten wir uns u.a. am Leuchtturmprojekt "EU-Produktion und Versorgungssicherheit" des BPI.

Responsible-Care-Landeswettbewerb 2021

Gesucht beim Responsible-Care.Wettbewerb 2021 waren kreative Lösungen der ostdeutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie, die das Klima nachhaltig schützen. Gefunden wurden gleich zwei Siegerprojekte.

Den Landessieg errang die Wacker Chemie AG in Nünchritz mit dem Projekt "Dampfroadmap am Wacker-Standort Nünchritz". Durch die optimierte Nutzung von Dampf für die Produktion im Energie- und Wärmeverbund gelingt es Wacker, stolze 30.000 Tonnen weniger CO2-Emissionen pro Jahr auszustoßen.

Die Sonderauszeichnung Digitalisierung ging an die InfraLeuna GmbH für ihr Projekt "Optimierung des zentralen Druck- und Steuerluftsystems am Chemiestandort Leuna". Durch die optimierte Mastersteuerung aller Verdichteranlagen lassen sich 854 Tonnen an CO2-Emissionen pro Jahr einsparen.

 Übersicht aller Beiträge 

Landessieger: Das Werk von WACKER Nünchritz
InfraLeuna erhielt die Sonderauszeichnung Digitalisierung
 
Studierende der Chemie

 Bildung und Fachkräfte 

Engagement zahlt sich aus

Auch im Jahr 2021 hat sich die chemisch-pharmazeutische Industrie in Ostdeutschland zur Ausbildung bekannt. Die Unternehmen steigerten die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze deutlich.

 

Trotz der Coronapandemie und dem an vielen Stellen erschwerten Rekrutierungsprozess konnten mehr junge Menschen als im Vorjahr gewonnen werden. Die Übernahmequote der ausgelernten Auszubildenden blieb auf einem konstant sehr hohen Niveau.

Übersicht Ausbildungsstatistik Ostchemie

Der AGV Nordostchemie unterstützte seine Mitglieder im vergangenen Jahr wieder durch gezieltes Azubimarketing und eigene Kampagnen. Im Frühjahr ging die mittlerweile schon traditionelle Last-Minute-Ausbildungsbörse auf dem Chemie-Azubi-Blog online, in der die noch freien Plätze gesammelt und zielgruppengenau beworben wurden. Ebenfalls auf dem reichweitenstarken Blog wurden persönliche Porträts von Auszubildenden aus unseren Mitgliedsunternehmen veröffentlicht.

Um auf die Zukunftsbranche Chemie & Pharma aufmerksam zu machen sowie die vielfältigen Einstiegschancen aufzuzeigen, wurde in der ZEIT im Osten ein ganzseitiger Beitrag platziert.

Nicht zuletzt zeigen wir auf dem verbandseigenen Instagram-Kanal auf, wie die jungen Menschen in unserer Branche an Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit aktiv mitarbeiten können.

Ausbildung meets Nachhaltigkeit

"Mit Nachhaltigkeit in der Ausbildung punkten – ein Angebot für Arbeitgeber": Pünktlich zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres 2021 fiel der Startschuss. Die Auftaktveranstaltung zielte darauf ab, in der Breite für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und zu motivieren. Es folgte das Impulsmodul "Nachhaltigkeit ausbilden – wie geht das?", in dem das Ausbildungspersonal wichtige Grundlagen für die Gestaltung eines nachhaltigen Lernortes erarbeitete. Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit Provadis, Projektträger von ANLIN², unter dem Dach von Chemie³, der Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Chemie, statt.

Anilin-Veranstaltungsreihe

Von der Kita bis zur Hochschule

Unser Engagement erstreckte sich auch im vergangenen Jahr über die gesamte Bildungskette – von der Kita bis in die Hochschulen, um den Nachwuchs für Chemie zu begeistern.

So haben wir eine Neuauflage des beliebten Experimentierbuchs "Forscher und Forscherin werden" veröffentlicht und es Lehrkräften kostenfrei zur Verfügung gestellt.

 

Ferner haben wir gemeinsam mit Kooperationspartnern Fortbildungen für Lehrkräfte aus dem Verbandsgebiet angeboten. Je nach Veranstaltung richtete sich das Angebot an Chemielehrkräfte, Lehrkräfte der Naturwissenschaften sowie Erzieher und Erzieherinnen. 2021 mussten viele Fortbildungen aufgrund der pandemischen Lage auf das Folgejahr verschoben werden. Der VCI und Fonds der Chemischen Industrie reagierten auf diese Situation mit einer Sonderförderung, die Schulen finanzielle Mittel für die Beschaffung von Materialien für das Fach Chemie/Sachunterricht zur Durchführung von Heimexperimenten zur Verfügung stellte.

Der von uns unterstützte Experimentalwettbewerb Chemkids wendet sich an Schüler und Schülerinnen der Klassenstufen 4 bis 8 in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im vergangenen Jahr wurden jeweils eine Herbst- und eine Frühjahrsrunde durchgeführt. Jährlich nehmen über 4.000 Kinder und Jugendliche aus dem Verbandsgebiet teil.

 

Ein besonders schönes Projekt war das "Schülerpraktikum" im Schülerlabor "Chemie zum Anfassen" an der Hochschule Merseburg für die Preisträgerinnen und Preisträger des Schuljahrs 2020/2021.

Dank der hervorragenden Vorbereitung und eines klugen Hygienekonzepts konnte die Veranstaltung mit 30 forschenden Jugendlichen trotz der pandemischen Situation durchgeführt werden. Neben Vorlesungen, Experimentieren im Schülerlabor, einem Besuch des Deutschen Chemiemuseums, Experimentalvorträgen und -vorlesungen, einem Wissenstest mit Siegerehrung und einer Abschlussveranstaltung gab es ebenfalls ein soziales Rahmenprogramm.

Das Unterrichtsfach Chemie lädt gerade dazu ein, Theorie mit spannenden Experimenten praxisnah zu vermitteln. Leider mangelt es an vielen Schulen an der hierfür benötigten Ausstattung. Daher haben die Nordostchemie-Verbände gemeinsam mit ihren Mitgliedsunternehmen die Aktion "Pro Chemieunterricht" ins Leben gerufen: Unterstützt ein Unternehmen den Chemieunterricht einer Schule in seiner Nachbarschaft, verdoppeln die Verbände den Betrag. Insgesamt sechs Bildungseinrichtungen konnten sich 2021 über Spenden in einer Gesamthöhe von 17.600 Euro (Anteil Nordostchemie-Verbände: 8.800 Euro) freuen.

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Im Bereich Hochschule veranstalteten wir in Kooperation mit der Universität Potsdam einen digitalen "Tag der Chemie". An diesem beteiligten sich auch die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin und die Initiativgemeinschaft Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Adlershof e.V. Es gab Vorträge zum Thema "Perspektive Chemie: Studium, Forschung und Karriere" und eine Posterschau. Unter dem Titel "Pharmazie-Studium, und dann?" fand mit rund 110 Studierenden der Universität Greifswald die erste rein digitale Ausgabe unseres Formats "Pharmazeuten in der #Industrie" statt, bei der wir über Betätigungsfelder für Apotheker in Produktion, Zulassung und Regulatory Affairs informierten. 

 Tarifpolitik & Arbeitsrecht 

 

Am Puls der Zeit

Auch im zweiten Jahr der Coronapandemie sahen sich die Unternehmen durch die sich ständig ändernden Gesetze und Verordnungen auf Bundes- und Länderebene gefordert. Gerade im Hinblick auf die Impfkampagnen, die Zertifikats- und Testpflicht unterstützten unsere Expertinnen und Experten unsere Mitgliedsunternehmen bei der Einrichtung von Impfzentren, setzten sich bei der Politik für die bevorzugte Behandlung als kritische Infrastruktur ein und berieten im Einzelfall aber auch allgemein bei der rechtskonformen praktischen Umsetzung in den Betrieben.

 

Mit dem neuen Ad hoc Informationsdienst "AGV AKTUELL" wurden die Unternehmen tagesaktuell auf dem Laufenden gehalten. Ergänzt wurde das Informations- und Beratungsangebot durch die für AGV-Mitglieder exklusive virtuelle Veranstaltungsreihe "Arbeitsrechtliches Frühstück". In dieser wurden die Unternehmen zu hochaktuellen arbeitsrechtlichen Fragestellungen und Herausforderungen informiert.

Arbeitsrechtliches Frühstück

Tafifabschlüsse verhandelt und umgesetzt

Für die Unternehmen der kunststoffverarbeitenden Industrie mit rund 1.500 Beschäftigten verhandelte der AGV Nordostchemie in der Schlichtung eine Entgelterhöhung, eine Corona-Prämie und die schrittweise Arbeitszeitreduktion. Die Sozialpartner vereinbarten eine Gesamtlaufzeit von 24 Monaten, mit sechs Leermonaten zu Beginn der Laufzeit (Juli bis Dezember 2021). Die Kunststoffverarbeiter waren und sind besonders von der Coronapandemie und ihren Auswirkungen (z.B. Krisen in Abnehmerbranchen) betroffen. Der Tarifabschluss mit einer langen Laufzeit gibt diesen Unternehmen Planungssicherheit und honoriert zugleich die Leistungen der Beschäftigten.

Der AGV verhandelte 2021 wieder in mehreren Fällen unternehmensbezogene Verbandstarifverträge, die Erleichterungen gegenüber dem Flächenniveau bedeuten. Das ist wichtig für Unternehmen, die sonst die Last des Flächentarifvertrags nicht schultern könnten, aber die Tarifbindung nicht aufgeben möchten.

Zudem stand noch die Umsetzung der im Tarifabschluss 2019 vereinbarten Pflegezusatzversicherung CareFlex an. Die Mitgliedsunternehmen wurden vom Verband umfassend bei der Implementierung beraten hinsichtlich der diversen Änderungen der Versicherungsbedingungen und bei administrativen Abläufen.

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Digitale Veranstaltungsformate mit hohem Zuspruch

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Die Geschäftsstellen in Berlin, Dresden und Halle veranstalteten jeweils zwei Personalleiter- und Personalreferentenkreise für die Mitgliedsunternehmen. Die virtuellen Termine waren stark nachgefragt und wurden genutzt, um sich von den Expertinnen und Experten der Abteilung Tarifpolitik, Tarif- und Arbeitsrecht über aktuelle Themen und Entwicklungen informieren zu lassen.

 

Das Seminar- und Weiterbildungsangebot wurde 2021 gänzlich in Form von digitalen Live-Events durchgeführt. Die virtuelle Umsetzung war sehr erfolgreich und die Zahl der Teilnehmenden konnte im Vergleich zu den Vorjahren sogar gesteigert werden. Es fanden insgesamt 23 Webinare zu den Themenbereichen Arbeitsrecht, Sozialpolitik und Gesundheit mit knapp 650 Teilnehmenden statt. Ein besonderer Service für die Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes war die kostenfreie Teilnahme an unseren Tarifvertragsseminaren.


Statt des jährlichen Forums wurde zum Ende des Jahres eine virtuelle Veranstaltungsreihe mit Fachexperten zu verschiedensten Themenkomplexen veranstaltet.

Grafik-Shapes

 Zahlen und Daten 

 

Erholung und neue Herausforderungen

Die Bilanz der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland für das Jahr 2021 fiel positiv aus: Der Umsatz knackte erstmals die 30 Milliarden-Euro-Marke. Dabei entfielen 60 Prozent des Umsatzes auf die Chemie und 40 Prozent auf Pharma. Chemische und pharmazeutische Erzeugnisse waren stark gefragt, im In- wie im Ausland.

 

Allerdings lösten sich die mit Aufkommen der Coronapandemie entstandenen Engpässe bei Vorprodukten und Probleme in der Logistik nicht wie erwartet auf. Die daraus resultierende Materialknappheit trug dazu bei, dass die Produktion zunehmend hinter den Aufträgen herhinkte. Erschwerend kamen die stark steigenden Kosten für Energie hinzu. Diese waren maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Erzeugerpreise auf Jahressicht um über neun Prozent zulegten.

 

Wo es möglich war, reichten Hersteller gestiegene Kosten an ihre Kunden weiter. Das trug zum kräftigen Umsatzwachstum bei. Nicht überall ließ sich aber der Druck von den Margen nehmen. In Einzelfällen kam es zu Produktionsdrosselungen, wie bei der besonders energieintensiven Herstellung von Ammoniak, wichtiger Grundstoff für Düngemittel. Extrem gestiegene Preise für Gas standen hier einem wirtschaftlichen Betrieb entgegen.

54.500

Beschäftigte in der
Ostchemie 2021

31,2

Mrd. Umsatz der
Ostchemie 2021

Services für unsere Mitglieder

In verschiedenen Formaten stellen wir unseren Mitgliedern Analysen zur Verfügung. Mit "Wirtschaft AKTUELL" erscheinen vierteljährlich Lageberichte, die einen kompakten Überblick zur aktuellen Chemiekonjunktur in Ostdeutschland liefern. Bei "Wirtschaft KOMPAKT" handelt es sich um Länderberichte, die ihren Fokus auf die spezifische Struktur der chemisch-pharmazeutischen Industrie in den sechs Bundesländern unseres Verbandsgebietes richten.

Im Verbraucherpreisindex stellen wir monatlich die wichtigsten Informationen zur aktuellen Inflationsrate zusammen, Grafiken zur Entwicklung im Zeitablauf inklusive.

Wirtschaft-Aktuell
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Ifo-Geschäftsklimaindex
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Wirtschaft-Aktuell
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Als weiteren Service für unsere Mitglieder erheben wir monatlich den Krankenstand in den Unternehmen; die Auswertungen können als Benchmark dienen.

 

Im Jahr 2021 betrug die durchschnittliche Ausfallquote 6,4 Prozent, in etwa so hoch wie im Vorjahr. Mit Einbruch des Winters erreichte der Krankenstand sein höchstes Niveau. Ein Jahr zuvor war der steilste Anstieg im Frühjahr zu beobachten gewesen, als die Corona-Pandemie gerade ausgebrochen war.

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